„Du schreibst Fantasy? So was lese ich nicht.“ Teil 6: Low Fantasy

Mein Debütronman „Mitternachtsrot“ hat letzte Woche seinen ersten Geburtstag gefeiert und fast hätte ich ihn verpasst. Das kann passieren, wenn man intensiv an einem neuen Manuskript schreibt und alles andere um sich herum vergisst. (Als Entschuldigung kann ich nur sagen, dass ich daran arbeite, dass Mitternachtsrot hoffentlich noch ein paar schöne Geschichten-Geschwister bekommt.)

Als kleines Geburtstagsgeschenk und Wiedergutmachung, weil ich den für Lisaan und Tareq so wichtigen Tag fast vergessen hätte, gibt es jetzt den letzten Teil meiner kleinen Reihe über Phantastische Literatur. Natürlich beschäftigte ich mich in diesem Teil mit dem Genre, in das ich bevorzugt meine Protagonisten hineinwerfe: Low Fantasy.

Zur Erinnerung und kleinen Einstieg für die Ungeduldigen hier noch einmal in Kurzzusammenfassung aus meinem Beitrag vom 16. Juni 2016:

Low Fantasy

ähnelt vom Konzept her der High-Fantasy, ist aber eher eine abenteuerliche, weniger epische Variante:

  • auch hier gibt es eine fiktive Welt
  • im Vordergrund steht aber meistens ein Held, der durchaus etwas zwiespältig sein kann
  • die Handlung konzentriert sich eher auf das persönliche Schicksal des Helden und nicht auf die Rettung der Welt
  • actionlastiger mit einer geradlinigeren Erzählstruktur, die die Handlung rasch vorantreibt
  • kann, muss aber nicht: dezenter Einsatz magischer und mythischer Elemente

Und für diejenigen, die es ganz genau wissen wollen, versuche ich die Low Fantasy jetzt noch ein bissele genauer zu beleuchten.

Dazu müssen wir zu den Anfängen der Low Fantasy zurückgehen, die in den Heftromanen der 1930er bis 1950er Jahre stecken. Neben Horror- oder Science-Fiction-Erzählungen gab es in diesen Heften auch Fantasy-Geschichten. Natürlich lag es in der Natur der Sache bzw. in der Veröffentlichungsform als Heftroman, dass dadurch z.B. die Erzählstruktur einfacher gehalten war oder Geschichten in einzelne Episoden aufgeteilt werden mussten (für eine episch-ausschweifende Erzählung war eben nicht genug Platz).

Damit erklären sich für mich schon mal einige Unterschiede zur High Fantasy. Aber neben dem Veröffentlichungsformat gibt es noch weitere Abweichungen von der High Fantasy, die man näher betrachten kann und dadurch quasi eine Definition von Low Fantasy erhält, die auf dem Benennen von Merkmalen beruht, die Low Fantasy meistens NICHT aufweist und damit von der High Fantasy abgrenzt.

Zur Erinnerung hier noch mal die Merkmale der High Fantasy:

Die Geschichten thematisieren epische Konflikte bzw. der Kampf von Gut gegen Böse oder sie drehen sich um einen Helden, der sich auf eine Reise begeben muss, um einen magischen Gegenstand zu finden bzw. eine Aufgabe zu lösen.
Eine High-Fantasy-Geschichte ist in einer fiktiven Welt angesiedelt, die oftmals an das europäische Mittelalter angelehnt ist. Es gibt eine Menge Magie und irreale Wesen wie z.B. Orks, Elfen oder Zwerge, die oftmals durch die von Tolkien („Herr der Ringe“) eingeführten Völkern inspiriert sind.

Im Umkehrschluss könnte man Low-Fantasy-Geschichten deshalb auch wie folgt charakterisieren:

sie sind einfach geradliniger erzählt, die Geschichten drehen sich meistens um eher zwiespältige Figuren, deren persönliches Schicksal im Vordergrund steht (als „Urvater“ der Low-Fantasy-Helden sei hier „Conan“ von Robert E. Howard genannt)

und die Gegner und Gefahren direkt gegenüberstehen, mit reichlich Actionelementen, die die Handlung vorantreiben. Eine Low-Fantasy-Geschichte ist dazu oft auch in einer Fantasywelt angesiedelt, in der es weniger von phantastischen Wesen wimmelt und auch der magische Einfluss nicht so hoch ist.

Halt einfach von allem ein bisschen „weniger“ als in der High Fantasy, womit sich für mich auch der Begriff „low“ erklärt, der in diesem Kontext auf alle Fälle nichts mit der Qualität der Geschichten zu tun hat. Und wenn ich jetzt einen etwas abgedroschenen Spruch verwenden darf (aber er passt halt so gut): Weniger ist (manchmal) mehr (zumindest für mich).

Ich hoffe, ich konnte ein bisschen dazu beitragen, die Fantasy-Literatur im allgemeinen und mit diesem Beitrag speziell Low Fantasy etwas näher in den Vordergrund zu rücken, so wie sie es meiner Meinung nach durchaus verdient hat.

Für alle Interessierten gibt es hier auch noch ein Link zum Vertiefen:
Wikipedia über Low-Fantasy https://de.wikipedia.org/wiki/Low_Fantasy

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4 Kommentare

  1. Ich mag Low Fantasy – sowohl als Leserin, als auch als Autorin.
    Trotzdem bevorzuge ich den Begriff „heroische Fantasy“, auch wenn es den eigentlich gar nicht gibt. Aber „heroisch“ klingt einfach besser als „low“, das man im Hinterkopf doch immer wieder mit „nieder“, „niedrig“ übersetzt und damit unbewusst als „minderwertig“ attributiert.

    Gefällt mir

    1. Hallo Nike,
      ich kann Dich sehr gut verstehen. Die Gefahr besteht tatsächlich, dass die LeserInnen „low“ mit „minderwertig“ assoziieren, obwohl „low“ auch mit „gering“ oder „leise“ übersetzt werden könnte. In meinem Beitrag habe ich ja ein bisschen versucht, das zu erklären. Auf alle Fälle werde ich mal sehr intensiv darüber nachdenken, ob „heroic Fantasy“ auch auf meine Geschichten passen könnte, es würde mir jedenfalls eine Menge Erklärungen ersparen 🙂
      Liebe Grüße
      Bianca

      Gefällt 1 Person

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